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Der Motorrad-Guide für den Ostharz (Sachsen-Anhalt): Bodetal, Selketal, Streckensperrungen, Sagenfelsen und motorradfreundliche Hotels in Wernigerode, Thale & Quedlinburg.

Der Ostharz ist der Teil des Harzes, der östlich des Hochharzes liegt und überwiegend zur Bode entwässert, im Süden zu den linken Zuflüssen der Helme. Er gehört vollständig zu Sachsen-Anhalt und verteilt sich auf die Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz. Der Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt, 2003 eingerichtet und rund 1.660 Quadratkilometer groß, deckt den Großteil des Reviers ab. Hochgebirge ist das nicht: Die Kuppen bleiben meist unter 600 Metern. Der Wegenerskopf im Rambergmassiv misst 587,1 Meter, die Viktorshöhe 581,5 Meter, der Große Auerberg bei Stolberg rund 580 Meter. Der fahrerische Reiz liegt nicht in der absoluten Höhe, sondern im Höhenunterschied auf kurzer Distanz.

Motorradfahren im Ostharz

Das lässt sich an Zahlen festmachen. Thale liegt auf 156 Metern, Friedrichsbrunn knapp sieben Kilometer weiter südlich auf 524 Metern, die Ortslage streut zwischen 499 und 575 Metern. Dazwischen liegt die L 240, die in einem Zug aus dem Harzvorland auf die Hochfläche zieht. Nach demselben Muster funktioniert die ganze Region: eine bewaldete Hochfläche zwischen etwa 400 und 550 Metern, getragen unter anderem vom Granit des Rambergs und vom Rhyolith des Auerbergs, in die sich Bode und Selke tief eingekerbt haben. Fahrerisch ergibt das zwei klar getrennte Straßentypen: schnelle, weit gezogene Passagen über die Plateaus und enge, schattige, oft länger feuchte Abschnitte in den Tälern. Wer beides in einer Runde kombiniert, wechselt mehrmals am Tag komplett den Rhythmus.

Die Hauptachse ist die B 242, die Harzhochstraße. Sie misst 124 Kilometer von Seesen bis Mansfeld und quert den Harz von West nach Ost. Ihr höchster Punkt mit 828 Metern zwischen Dammhaus und Sonnenberg liegt im Oberharz; im Ostharz läuft sie deutlich niedriger über Sorge, Hasselfelde, Stiege, Güntersberge, Alexisbad und Harzgerode (395 Meter) und fällt danach über Königerode und Leimbach zum Mansfelder Land ab. Der Charakter dieses Abschnitts: lange Waldpassagen mit guten Sichtweiten, unterbrochen von kurzen Ortsdurchfahrten, in denen das Tempo konsequent herunter muss.

Quer dazu läuft die B 81, 93 Kilometer von Magdeburg bis Ilfeld-Netzkater. Nördlich des Gebirges ist sie ab Magdeburg vierstreifig und autobahnähnlich ausgebaut, im Harz selbst wird sie zweispurig und deutlich interessanter. Sie verbindet Halberstadt, Blankenburg und Thale mit Wendefurth und Hasselfelde; die Wendefurther Steige ist einer der markantesten Anstiege der Strecke. Ergänzt wird das Grundgerüst von der B 185, die von Ballenstedt über Mägdesprung ins Selketal führt, und von Landesstraßen, die im Alltag oft die besseren Linien liefern — etwa die L 239, die zwischen Güntersberge, Friedrichsbrunn und Bad Suderode quer durch das Rambergmassiv geht.

Motorradfahren im Ostharz

Wasser prägt die Mitte des Reviers. Die Rappbode-Talsperre trägt mit 106 Metern die höchste Staumauer Deutschlands, die Krone ist 415 Meter lang und 12,50 Meter breit, gebaut wurde zwischen 1952 und 1959. Über diese Krone führt die L 96, nordwestlich schließt ein 219 Meter langer Tunnel an — eine der wenigen Stellen im Harz, an denen man buchstäblich über ein Bauwerk hinwegfährt. Mit rund 109 Millionen Kubikmetern ist sie zugleich die größte Trinkwassertalsperre des Landes und seit Juni 2022 als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet. Wenige Kilometer flussabwärts folgt die Talsperre Wendefurth, 43,5 Meter hoch und rund 230 Meter lang, zwischen 1957 und 1967 errichtet und Unterbecken des dortigen Pumpspeicherwerks.

Das Bodetal zwischen Treseburg und Thale ist die große Ausnahme im Straßennetz. Die zehn Kilometer lange Schlucht — bei Treseburg rund 140, am Austritt bei Thale etwa 280 Meter tief — ist auf ganzer Länge nur zu Fuß passierbar. Für Motorradfahrer: umrunden, nördlich über Thale oder südlich über Altenbrak (304 Meter) und Friedrichsbrunn. Genau diese erzwungenen Umwege sind der Grund, warum sich hier aus geringen Luftlinien lange Tagesrunden bauen lassen. Unter Naturschutz steht das Tal seit dem 5. März 1937, seit 2006 ist es Nationaler Geotop.

Ruhiger und landschaftlich dichter ist das Selketal. Die Selke ist 64,4 Kilometer lang und verliert von der Quelle bis zur Mündung 421,3 Höhenmeter, im Mittel etwa 6,5 Promille Gefälle. Oben begleitet sie die B 242, weiter unten die B 185. Über weite Strecken teilt sie das Tal mit der Selketalbahn, einem Teilstück der 140,4 Kilometer meterspurigen Harzer Schmalspurbahnen, auf deren Strecken im Regelbetrieb Dampflokomotiven verkehren. An den Übergängen im Tal lohnt Zurückhaltung: nasse Rillenschienen im Schatten und Fußgänger an den Haltepunkten sind dort Normalzustand.

Motorrad in einer Gasse zwischen Fachwerkhäusern in Stolberg
Das Markenzeichen von Stolberg sind die Fachwerkhäuser im Renaissancestil

Ein Punkt, der bei der Planung häufig untergeht, ist die Wetterlage. Der Harz staut die Westwinde, und der Niederschlag fällt zum großen Teil auf der Westseite: Dort werden rund 1.600 Millimeter im Jahr gemessen, im Regenschatten des Ostharzes nur etwa 600. Das ist ein Faktor drei zugunsten der Ostseite. Wenn über dem Brocken die Wolke steht, ist die Hochfläche um Harzgerode und Güntersberge oft trocken — ein Argument, das sich in der Tourenplanung direkt umsetzen lässt.

Am Nordostrand bricht das Gebirge ab. Quedlinburg liegt mit rund 123 Metern bereits im Vorland und steht seit 1994 mit Stiftskirche, Schloss und Altstadt auf der UNESCO-Welterbeliste. Zwischen Ballenstedt, Rieder, Weddersleben und Blankenburg zieht sich die Teufelsmauer über etwa 20 Kilometer als Kette aus Kreidesandstein durch offenes Land; ihre höchsten Punkte, Mittelstein mit 185,2 und Königsstein mit 184,5 Metern, stehen rund 50 Meter über der Bode. Bereits 1852 preußisch geschützt und 1935 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, gehört sie zu den ältesten geschützten Landschaftsteilen Deutschlands.

Nach Süden läuft der Ostharz flacher aus. Über Straßberg, Silberhütte und Neudorf — Ortsnamen, die auf Jahrhunderte Bergbau verweisen — geht es Richtung Stolberg, das mit Schloss und Fachwerkkern zwischen 265 und 370 Metern in einem engen Talkessel sitzt, vier Kilometer vor der thüringischen Grenze. Auf der letzten Etappe der B 242 vor Mansfeld stehen die kegelförmigen Halden der Mansfelder Pyramiden in der Landschaft. Der Ostharz ist damit kein Revier, das sich an einem einzelnen Vorzeigepass festmachen lässt, sondern eine Fläche: Hochebene, tiefe Talkerben, alte Bergbauorte und eine überschaubare Zahl gut belegter Bundesstraßen, die sich zu Tagesrunden zwischen 150 und 250 Kilometern verknüpfen lassen, ohne dieselbe Strecke zweimal zu fahren.

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